Ein besonderes Erlebnis im Rahmen des Treffens mit den bulgarischen Teilnehmern vom 3.-12.9.2010
Am Dienstag, den 7. September 2010 hatten wir zwei Tage nach unserem Besuch des so genannten „Hof Holz“ in Gelsenkirchen (siehe entsprechenden Artikel von Kalina Dimitrova2 auf dieser Plattform) ein weiteres Mal die Möglichkeit, das Thema Inklusion von seiner praktischen Seite anhand eines konkreten Beispiels kennen zu lernen.
Dazu bedurfte es diesmal allerdings keiner längeren Reise mit dem Zug. Eine kurze Busfahrt genügte, um uns an unser Ziel zu bringen: der in der Hafenstraße 8 gelegene Gebäudekomplex des Sozialamtes Münster.
Hier wurde unsere Gruppe von gleich zwei Personen aus einander ergänzenden Tätigkeitsfeldern des Themenbereichs „Behinderung und öffentliches Leben“ empfangen. Zum einen trafen wir auf Frau Anja Stehling. Sie, selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, ist für die allgemeine Beratung von Menschen mit Behinderung und die Erstellung von behindertenspezifischen Informationsbroschüren, etwa zu besonderen Freizeitangeboten innerhalb der Stadt, zur barrierefreien Zugänglichkeit von Toiletten und anderen öffentlichen Einrichtungen des alltäglichen Lebens, zuständig.
Zum anderen begegneten wir Herrn Wolfgang Leipholz, einem der insgesamt 4 Mitarbeiter der Fachstelle für behinderte Menschen im Beruf. Beide haben uns nicht nur mit großer Herzlichkeit empfangen, sondern auch mit der unmittelbaren Bereitschaft, unseren stetig wachsenden Wissensdurst zu stillen. Dafür sind wir sehr dankbar.
„ Unsere Fachstelle“, so verriet uns Herr Leipholz während unseres Gesprächs „verfolgt mit ihrer Arbeit das Ziel, Arbeitsplätze schwerbehinderter Beschäftigter in Münster zu sichern. Dazu bietet sie begleitende Hilfen im Arbeitsleben an, insbesondere Information und Beratung sowie finanzielle Hilfen.“
Mit diesen finanziellen Hilfen ist es zum Beispiel möglich, einen Arbeitsplatz vollständig behindertengerecht umzugestalten. Wie so etwas tatsächlich aussieht, konnten wir mit eigenen Augen am Arbeitsplatz von Anja Stehling entdecken, der uns alle sehr beeindruckte.
Er verfügte nicht nur über einen in der Höhe verstellbaren Schreibtisch und über eine sich per Knopfdruck öffnende Zimmertüre, nein, auch die Fenster ließen sich auf Knopfdruck öffnen und schließen. Selbst der sich an der Wand befindende Aktenschrank konnte nach einem entsprechenden Eingabebefehl seine einzelnen Fächer nach dem Pater-Noster-Prinzip rotieren lassen, sodass nach einer gewissen Zeit auch die zu aller oberst liegende Akte für Frau Stehling erreichbar wurde. So etwas, darüber bestand Einigkeit, hatte noch niemand von uns gesehen!
Eine Wand des Raumes zierte ein Poster mit einer im Rollstuhl sitzenden Mona-Lisa, über ihr standen in dicken Lettern drei Worte: NOBODY IS PERFECT. Das mag sein. Aber wir alle können etwas dafür tun, dass die Welt um uns herum ein bisschen perfekter wird.
Wie der Idealfall dessen aussehen kann, das wurde uns am Arbeitsumfeld von Anja Stehling gezeigt.


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